Die Gründung neuer und teilweise dezidiert populistischer Parteien hat zusammen mit der schwindenden Bindungskraft der „Volksparteien“ zu einer starken Veränderung der politischen Landschaft in Deutschland geführt: Es kommt vermehrt zum Einzug neuer Parteien in die Parlamente, zu einer größeren Anzahl von Fraktionen und zu Koalitionsregierungen, die von mehr als zwei Fraktionen getragen werden müssen. Dieses Phänomen lässt sich seit Jahren in den Landtagen beobachten und hat jetzt auch den Deutschen Bundestag erreicht, in dem seit der Bundestagswahl 2017 erstmals seit 1953  sechs Fraktionen vertreten sind. Der Trend hin zu einer Fragmentierung der Parlamente stellt eine arbeitsfähige Binnenorganisation der Parlamente vor große Herausforderungen. Es ist das Ziel des Projekts „Zur Geschäftsordnung: Rechtsfragen fragmentierter Parlamente“, diese Herausforderungen aus verfassungsrechtlicher und verfassungspolitischer Perspektive kritisch zu begleiten. Dabei sollen Probleme aufgezeigt, Einschätzungen präsentiert und aktuelle Vorgänge kommentiert werden. Das geschieht in der Überzeugung, dass die Öffentlichkeit nur scheinbar technische Geschäftsordnungs- und sonstige Parlamentsrechtsdebatten und ihre politischen Hintergründe gerade in der gegebenen politischen Stimmung sehr kritisch begleiten sollte. Nachdem mit der AfD eine politische Kraft in den Deutschen Bundestag eingezogen ist, deren Programm ebenso wie der bisherige politische Stil ihrer wechselnden Protagonistinnen und Protagonisten die Organisation einer rechtsstaatlichen und pluralistischen Demokratie vor besondere Herausforderungen stellt, erscheint uns das besonders wichtig. Das Projekt wird von einer kleinen Gruppe deutscher Verfassungsrechtlerinnen und Verfassungsrechtler getragen, die sich keiner bestimmten politischen Richtung verpflichtet fühlt.